Wie NEIN sagen, dich weiterbringt

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Manche haben es irgendwie in den Genen – das JA-MACH-ICH-SYNDROM.

Im Grundsatz willst du dann für alle anderen da sein, es ihnen recht machen und ihnen zu Diensten sein. Du und deine eigenen Bedürfnisse bleiben dabei leider öfters mal auf der Strecke. Bei Freunden und Bekannten hilfst du, wo du kannst, hörst geduldig zu und bist wahrscheinlich auch noch ehrenamtlich engagiert. Auch im Berufsalltag kannst du schwer NEIN zu einer Aufgabe oder einem Auftrag sagen. Alle denken von dir, dass du alles im Griff hast. Du selbst schaffst dabei alles ohne Unterstützung – Wow, du bist Super Woman resp. Super Man!

Wie geht es dir dabei? Eine kleine Innenschau:

Ja sicher, es fühlt sich einerseits wahnsinnig gut an, wenn man gebraucht wird. Allen Anderen helfen, gibt dir auch ein Gefühl der Stärke, der Sicherheit und der Ruhe. Du hast zu jedem Zeitpunkt alles im Griff und nimmst dir für jeden immer Zeit.

Andererseits möchtest du, dass alle sich wohl fühlen, dass Harmonie herrscht. Eine wahnsinnig grosse Erwartungshaltung an dich selbst! Doch gibt es da tief in dir drin nicht eine leise Stimme, die beinahe am Verzweifeln ist, die in die Ecke geschoben wurde, die lange Zeit ungehört blieb?

Es ist vielleicht die Stimme der Verletzlichen, des Sensiblen. Denn seien wir ehrlich, Super Woman/Super Man gibt es nur im Film!

Niemand kann immer nur stark sein! Niemand kann immer nur für andere da sein! Niemand kann alles alleine schaffen! Hör auf, dich selbst zu untergraben!  

Gerade Frauen meiner Generation erlebe ich oft, dass sie den Hang zum Perfektionismus haben. Ich nehme mich da nicht aus! Da gehört es dazu, eben alles im Griff zu haben. Doch auch das Männerbild hat sich sehr gewandelt. Es reicht nicht mehr, ausschliesslich der Ernährer zu sein. Heute wird aktive Mitarbeit bei Familie und Haushalt erwartet. Und auch hier soll es möglichst perfekt sein – auf Hochglanz poliert! Wir setzen uns selber unter Druck all unsere Rollen in Extremis auszufüllen.

Ein Beispiel: Wer kennt es nicht, den Stress unter den Müttern, die beste, tollste, aufregendste, aufwändigste, nachhaltigste Geburtstagspartie für das eigene Kind zu schmeissen? Wir übertrumpfen uns gegenseitig, noch ausgefallenere Mottos umzusetzen, noch feinere – und dabei äusserst gesunde – Knabbereien anzubieten, noch attraktivere Dankeschön-Give-Aways mitzugeben etc. etc.

Aber mal ehrlich, sind die Kinder dadurch glücklicher oder anders gefragt, wissen sie es überhaupt zu schätzen?

Auch hier steigt mit jedem Mal die Erwartungshaltung – und was machen wir? Wir googeln noch etwas intensiver, nehmen uns noch mehr Zeit und so weiter…im Hamsterrad gefangen! Und genauso geht es im Berufsalltag weiter…

Gut reicht völlig!

Das ist doch mal eine Ansage! Nicht alles, was du tust, muss perfekt sein! Du darfst auch mal zulassen, dass nicht alles 1a erledigt ist. Der Haushalt wird nicht gleich zum Saustall, wenn nur noch alle zwei Wochen geputzt ist. Die Welt dreht sich munter weiter, auch wenn noch nicht alle Mails beantwortet sind (innerhalb 24 h reicht auch). Du darfst auch einfach zum Spass und „nur“ 30 Minuten joggen gehen und musst dich nicht gleich auf einen Marathon vorbereiten. Mach es dir selbst nicht so schwer und lasse es zu, einfach „nur“ gut zu sein!

Was für eine Erleichterung – probiere es unbedingt aus! Und wenn du dies mal für dich verinnerlicht habst, dann kommen wir wieder zurück zum eigentlichen Thema:

 

Wieso du öfter mal NEIN sagen solltest!

Gerade wenn du einen beruflichen Wiedereinstieg planst oder neu in eine Führungsposition kommst, solltest du haushälterisch mit deinen eigenen Ressourcen umgehen. Baue nicht noch einen zusätzlichen Topf auf, wo du perfekt sein musst. Dies kann dann auch ziemlich schnell negative Auswirkungen auf deine Gesundheit haben. Wenn der Topf voll ist, ist er voll! Und meistens bleiben ja noch genügend Aufgaben deiner anderen Rollen da.

Es ist also unumgänglich, eine gute Balance zwischen deinen aktuell wichtigen Lebensbereichen zu finden.

 

Life-Balance finden

Viele reden von Work-Life-Balance. Meiner Meinung nach, geht es jedoch um eine Life-Balance. Die Arbeit ist dabei eines von mehreren Bereichen, die wichtig sind.

Welcher Bereich, bei dir gerade Priorität hat, das ist sehr individuell und ändert sich auch immer wieder. Das ist auch gut so. Denn nichts ist so konstant, wie die stete Veränderung! Für dich bedeutet es, dass du dir mal darüber Gedanken machen solltest, wo deine Prioritäten aktuell sind, und wo du sie gerne haben möchtest.

Meistens sind klare Differenzen zwischen dem IST und dem SOLL auszumachen.Wenn du jetzt also deinen beruflichen Aufstieg oder Wiedereinstieg planst, kannst du nicht so weiter machen wie bisher. Du wirst irgendwo, bei irgend einem Lebensbereich Abstriche machen müssen.

Erinnere dich, haushälterisch mit deinen begrenzten Ressourcen (va. auch zeitlich) umzugehen. Wenn du nicht lernst, klar und deutlich NEIN zu sagen, wirst du es schwer haben, beruflich erfolgreich unterwegs zu sein.

Gerade in einer neuen Position sollte dein berufliches Umfeld wissen, mit wem sie es zu tun haben. Und wenn du dein JA, MACH ICH Syndrom hier weiterziehst, dann wird es dich ausbrennen, deine Energie absaugen und vor allem wird es zur Belastung, anstelle einer neuen schönen Herausforderung.

 
NEIN sagen, hilft dir,
 
  • deine eigenen Bedürfnissen mehr Raum zu geben. Du hast ja selbst, klar definierte Arbeit zu leisten.

  • dich als nicht ständig verfügbare „Ressource“ wertvoll zu machen.

  • dir selbst darüber klar zu werden, was dir wirklich wichtig ist.

  • deinem Ego ein guttuendes Schulterklopfen zu gönnen. Es tut sooo gut, einfach mal egoistisch zu sein!

  • deinen Selbst- und Fremdwert sprunghaft zu steigern. Du wirst viel ernster genommen, da deine Hilfe nicht einfach selbstverständlich ist.

  • dich selbst mehr zu mögen, weil du die Courage gezeigt hast, für dich und deine Anliegen einzustehen.

Brauchst du weitere Argumente, einfach mal NEIN anstelle JA, MACH ICH zu sagen?

Doch wie schaffst du es, NEIN zu sagen, wenn du bisher der JA, MACH ICH Typ warst?

Wer nicht Nein sagen kann, der wird sein Ja oft nicht halten können.

Lebensweisheit

Vielleicht macht es dir Angst, jemanden zu enttäuschen oder zu verletzen, wenn du NEIN sagst? Es wird auch sicherlich nicht einfach werden. Es wird dich vielleicht die Macht der Gewohnheit einholen. Du wirst konfrontiert werden mit Ungläubigkeit, Unverständnis und sogar Ablehnung.

Doch wie stellst du es an, NEIN zu sagen? Betrachte es aus einem anderen Sichtwinkel:

Ein NEIN zu jemanden ist auch ein JA zu dir selbst.

Schau mal genau hin und entdecke, was du nun alles für dich selbst erledigen kannst. Stell dir vor, was das Schlimmste ist, das dir jemand entgegnen könnte.

„Ich bin enttäuscht von dir!“ Oder „Bisher war es doch auch nie ein Problem!“ oder „Dir helf ich auch wieder mal!“ 

Und jetzt wirst du dich natürlich schlecht fühlen und bist von Schuldgefühlen überwältigt. Irgendwie hättest du es ja doch hingekriegt, oder? Doch dann mache innerlich einen Schritt zurück und entdecke, woher das Schuldgefühl kommt.

Geht es vielleicht daher, dass du gerne allen gefallen möchtest oder Konflikten generell am Liebsten aus dem Weg gehst?

Da ist es also wieder, das selbstlose Wesen, dass schaut, dass es allen anderen gut geht.

Und hier gibt es klare Strategien, wie du dich sozusagen selber überlistest.

 

Ich verrate dir ein Geheimnis:

DU KANNST ES NIE ALLEN RECHT MACHEN!

 

Doch die Erwartungen steigen bei jedem Mal, wenn du wieder etwas tust, was du eigentlich gar nicht hättest tun müssen.

Kommuniziere klar – aber wertschätzend

„C’est le ton qui fait la musique“ oder anders gesagt: WIE du etwas ablehnst, beeinflusst die Akzeptanz beim Gegenüber enorm. Hier ein paar Beispiele aus der gewaltfreien Kommunikation, wie du klar aber wertschätzend NEIN sagen kannst.

 
  1. Stimme deinem Gegenüber zu, was für dich richtig ist. „Ich sehe ein, dass diese Sache wichtig für dich ist und erachte es auch als sinnvoll, dass diese Arbeit gemacht wird.“

  2. Sage klipp und klar, dass du nicht willst. „Aber ich möchte es nicht tun, es wird mir sonst zu viel.“

  3. Was passiert nun, wenn ein NEIN nicht angenommen wird? Dann stimme nochmals zu und sage nochmals NEIN. Immer wieder, bleibe bei deiner Haltung.

Ich verspreche dir, wenn du so vorgehst, wirst du in den allermeisten Fällen zum Ziel kommen. Dann wird dein NEIN gelten, und du wirst dich richtig gut dabei fühlen. Denn du hast niemanden verletzt, du hast „nur“ ausgedrückt, was du selbst empfindest. Und hier kann sich niemand anderes angegriffen fühlen.

Fritz Perls, Begründer der Gestalttherapie drückt es wunderbar aus:

Ich bin ich und du bist du. Ich bin nicht auf der Welt, um so zu sein, wie du mich haben willst - und du bist nicht auf der Welt, um so zu sein, wie ich dich haben will.

Fritz Perls

Wieso ist das NEIN sagen also zusammenfassend so wichtig resp. wird es oft mehr geschätzt, als das JA sagen?

 
  1. Du zeigst, dass du dir selbst Sorge trägst.

  2. Du zeigst, dass du Prioritäten setzen kannst.

  3. Du zeigst, dass du dich auf das Wesentliche fokussieren kannst.

  4. Du zeigst, dass du selbstbewusst und mutig bist.

  5. Du gewinnst an Profil.

  6. Du bestimmst selbst über deine Ressourcen.

  7. Du setzt klare Grenzen – für dich und deine Umwelt.

  8. Du gewinnst Zeit für dich.

 

Es würde noch viele weitere Argumente geben, die für das NEIN sagen sprechen. Es sind auch nicht alle gleich wichtig – auch das ist sehr individuell.

Für dich selbst soll das NEIN sagen eine Chance sein, näher an deine eigenen Bedürfnisse zu kommen, diesen bewusst mehr Raum zu geben. Mach mehr davon, was du gerne tust. So wirst du einerseits viel zufriedener und andererseits authentischer und fassbarer.

Dein Umfeld weiss, was es von dir erwarten kann und was nicht. Dies ist eine sehr wichtige Voraussetzung für Menschen in der Öffentlichkeit oder der Führung.

Lass mich noch eine wichtige Anmerkung zum Schluss machen:

Ein NEIN zu etwas ist immer auch eine bewusste Entscheidung – ein JA – zu etwas Anderem.

Nimm diesen Gedanken mit und überlege immer, wenn du zu etwas NEIN sagst, zu was du gleichzeitig JA gesagt hast. (Z.B. Wenn du NEIN zum gemeinsamen Abendessen mit jemanden gesagt hast, hast du JA zu einem Abend für dich gesagt.)

Also dann nichts wie los und üben, NEIN zu sagen. Lass dich auch nicht von Rückschlägen beirren. Und natürlich darfst du auch in Zukunft hilfsbereit und unterstützend sein. Das sollst du sogar. Ich möchte dich nur ermutigen, NEIN zu sagen, wenn du im Begriff bist, JA zu sagen aus den falschen Motiven. Ein JA aus vollem Herzen ist wunderbar und wertvoll. Doch wenn es im tiefsten Inneren NEIN in dir schreit, dann höre darauf und lass es zu.

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